Frühjahrsmüdigkeit – Mythos oder echt?

Die Sonne kommt raus, die Tage werden länger, die Uhr wird auf Sommerzeit gestellt und wir werden müde. 

Im Frühjahr fühlen sich nicht wenige Menschen erschöpft - dafür gibt es hierzulande sogar einen eigenen Begriff: Frühjahrsmüdigkeit. Aber ist da überhaupt etwas dran? Gibt es biologisch nachweisbare Gründe dafür?

Wir fragten Uwe Fremder, den varisano-Experten für Schlafmedizin am Krankenhaus Hofheim und baten um Tipps zur „Umstellung“ der inneren Uhr. 

Am 29. März beginnt die Sommerzeit, und – wie alle Jahre – werden sich viele Menschen über ihre Frühjahrsmüdigkeit beklagen. Gibt es sie wirklich?

„Eine neue Studie aus der Schweiz hat schön belegen können, dass es zwar einen Nachweis gefühlter Müdigkeit gibt, aber keinen Nachweis einer saisonal erhöhten Müdigkeit. ‚Frühjahrsmüdigkeit‘ scheint vielmehr ein kulturelles als ein messbares biologisches Phänomen zu sein, bei dem die individuelle Bewertung ausschlaggebend ist. Übrigens gibt es den Begriff im Ausland und in anderen Sprachen überhaupt nicht.“

Welche Bevölkerungsgruppe verspürt am häufigsten Auswirkungen der Zeitumstellung? Sind die Schlaftypen „Eulen“ oder „Lerchen“ stärker betroffen?

„Zunächst: Aus schlafmedizinischer Sicht macht die Zeitumstellung keinen Sinn! Prinzipiell fehlt jedem eine Stunde Schlaf.

Die ‚Eulen‘ sind oft etwas stärker betroffen, da dieser Chronotyp auch genetisch veranlagt ist und sie somit gegen ihre innere Uhr arbeiten. Auch einige ‚normale Chronotypen‘, die am häufigsten sind, merken die verkürzte Schlafzeit. Es fühlt sich an wie ein kleiner Jetlag. Für ‚Lerchen‘ ist es meist das geringste Problem, sich umzustellen.

Das Gute ist: Unser innerer Taktgeber überwindet die vermehrte Morgenmüdigkeit meist innerhalb von fünf bis sieben Tagen.“

Was hilft mir, mit der morgendlichen Dunkelheit und der gefühlten Mattigkeit besser klarzukommen? Haben Sie Tipps für Betroffene?

„Wie stark man unter der Zeitumstellung leidet, hängt auch ein bisschen von der eigenen Einstellung ab.

Wir können uns mental darauf vorbereiten: Ja, ich schlafe eine Stunde weniger, aber in ein paar Tagen hat sich mein Körper daran gewöhnt! Das klappt ja auch, wenn wir im Urlaub die Zeitzonen wechseln! Wer sich wirklich schwertut, sollte sich abends 15 bis 30 Minuten früher ins Bett begeben. Wer dann noch nicht einschlafen kann, kann zur Entspannung lesen oder einen Podcast hören etc. KEIN Fernsehen, NICHT arbeiten, NICHT im Bett essen!

Am Morgen kann eine leichte Morgengymnastik dem Körper helfen, aktiv zu werden. Zur Not kann man den Wecker etwas weiter weg stellen, damit man aufstehen muss, um ihn auszuschalten. Licht hilft am Morgen besonders gut – also am besten morgens eine Tageslichtlampe nutzen.“

"Mein Fazit: Entscheidend ist die eigene Einstellung zur Zeitumstellung! Gehen Sie jetzt schon etwas früher ins Bett! Dehnen und strecken Sie sich am Morgen im Bett und nutzen Sie das Licht, ob künstlich oder natürlich! Gehen Sie raus an die frische Luft und genießen Sie die Sonne!"