Tipps rund ums Stillen – von unseren Hebammen empfohlen

Muttermilch ist für Babys und vor allem für Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm von entscheidender Bedeutung. Sie stärkt nicht nur das Immunsystem der kleinen Patient:innen, sondern fördert auch die gesunde Entwicklung ihres Darms, ihres Gehirns und ihrer gesamten körperlichen Funktionen. Ihre wertvollen Nährstoffe sind unverzichtbar, besonders in den ersten Lebenstagen.

Damit es mit dem Stillen gut klappt, haben unsere Hebammen ein paar wertvolle Tipps für Sie zusammengestellt. 

Nicht jede Mutter kann oder möchte stillen – auch das ist in Ordnung! Wichtig ist: Ihr Kind wird liebevoll versorgt. Bereits ab der 16. Schwangerschaftswoche wird die Vormilch, auch Kolostrum genannt, in der Brust gebildet.

Vormilch (Kolostrum) ist gelb und wichtig für die Entwicklung des Immun- und Verdauungssystems von Neugeborenen. Die dickflüssigen Tropfen der Vormlich enthalten wertvolle Antikörper, Vitamine, Eiweiße sowie gesunde Fette. Die Vormlich kann bereits in der Schwangerschaft durch Ausstreichen der Brust gewonnen werden. Sie ist besonders relevant für frühgeborene Kinder oder bei Schwangerschaftsdiabetes.


Bedeutung des Stillens für Mutter und Kind:

  • Aufbau einer Mutter-Kind-Beziehung
  • Häufiger Sicht- und Körperkontakt
  • Ausschüttung von Oxytocin („Kuschelhormon“)
  • Bestmöglicher Schutz vor Infektionen
  • Stresshemmung und Unterstützung der Rückbildungsvorgänge

Videos zur Brustmassage

Wussten Sie schon?

In den ersten 24 Stunden nach der Geburt schläft Ihr Neugeborenes viel – es benötigt Zeit sich an das neue Leben anzupassen. Ihr Kind braucht in dieser Zeit nur wenige Tropfen (5-7ml) Vormilch. Sein Magen ist in etwa so groß wie ein Kirschkern oder eine Haselnuss.


Wieso soll dann direkt „angelegt“ werden?
Nach der Geburt ist der Haut-zu-Haut-Kontakt (Bonding) wichtig. Dies stärkt die Bindung zur Ihrem Kind, fördert die Milchbildung der Mutter und kann das Neugeborene zum Trinken anregen. Auch im Kreißsaal wird diese Verbindung bereits gefördert und unterstützt.

Tipp unserer Hebammen:Auch Papa oder eine andere Begleitperson darf kuscheln.

 


Die ersten 40-Tage nach der Geburt befinden Sie sich im sogenannten Wochenbett. Diese Zeit soll als Kennenlernphase genutzt werden, in der sich der Körper der Mutter von der Schwangerschaft und der Geburt erholt.
 

Was Ihnen im Wochenbett gut tut:

  • Eine gesunde, ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung.
  • Wenig Besuch.
  • Geduld
  • Viel Zeit zum Kuscheln.
  • Eine fachliche Bezugsperson.
  • Lassen Sie sich nicht verunsichern von gutgemeinten Ratschlägen aus Ihrem Umkreis.
  • In den ersten Lebenstagen wird Ihr Neugeborenes wacher, aktiver und unruhig.
  • Es kommt zu Veränderungen an Ihrer Brust.
  • Übergang vom Kolostrum zur Muttermilch: Dieser natürliche Prozess wird als „Milcheinschuss“ bezeichnet.

Milcheinschuss

  • kann zu Schwellungen, Spannungen und Verhärtungen der Brust kommen, was schmerzhaft sein kann
  • helfen können: weiterhin Anlegen, vor dem Stillen wärmen und Brustmassage, danach kühlen und ausruhen!
  • nicht empfohlen wird die manuelle Entleerung durch Pumpen

Manche Neugeborene wollen oft stündlich oder scheinbar ohne Pause die Brust. Dieses Verhalten nennt sich Clusterfeeding und ist kein Zeichen dafür, dass Sie als Mutter zu wenig Milch haben. 

Frühes und mittleres Stillzeichen (Idealerweise legen Sie Ihr Neugeborenes jetzt an):

  • Suchende Bewegung
  • Lippen lecken
  • Schmatzende Geräusche

Späte Stillzeichen: Ihr Kind beginnt zu schreien und muss beruhigt werden.

Es gibt verschiedene Stillpositionen. Anschauliche Beispiele von den vier gängigsten Stillpositionen haben wir Ihnen auf dieser Seite abgebildet. Man kann auch Materialien, wie ein Stillkissen, Decken oder Kissen nutzen, um eine optimale Position zu finden.

  • Intuitives Saugen bei zurückgelehnter Stillhaltung
  • Stillen im Liegen (nach Kaiserschnitt)
  • Stillen in Rückenhaltung
  • Stillen in Wiegehaltung

Zwillingsstillen
Sie können die beiden Kinder gleichzeitig oder nacheinander stillen. Erprobte Stillhaltungen sind beide Kinder in Rückenhaltung, halbsitzend zurückgelehnt oder ein Kind in Rücken- und ein Kind in Wiegehaltung. Hierbei ist es wichtig, regelmäßig die Position zu wechseln.

  • Zu Beginn sollte eine Stillfrequenz von sechs bis acht mal in 24 Stunden angestrebt werden.
  • Eine Stillmahlzeit sollte ca. nach 20 Minuten beendet sein.
  • Wunde Brustwarzen (oft durch falsches Anlegen): Hierbei können Brustwarzensalben oder Stillhütchen helfen.
  • Milchstau ist eine schmerzhafte Verhärtung der Brust. Es kommt zu lokaler Rötung und plötzlich auftretendem Fieber.
    • kann durch Stress und mangelhafte Entleerung der betroffenen Brust entstehen
    • Stressreduktion, Wärme vor dem Stillen und anschließendes kühlen hilft
  • Brustentzündung (Mastitis) kann aus einem Milchstau resultieren

 

Wann sollten Sie einen Arzt/Ärztin aufsuchen?

  • Bei Fieber, Schüttelfrost oder starken Schmerzen
  • Ihr Kind trinkt nicht oder wirkt ungewöhnlich schläfrig
  • Unsicherheit über Gewicht / Trinkmenge

 

Leistungen hier in der Klinik:

  • Individuelle Stillberatung durch Hebammen und IBCLC-Laktationsberaterinnen auf der Wöchnerinnenstation (A31)
  • Lasertherapie nach 72 Stunden bei wunden Brustwarzen