Ursula Kuhn ist stets dort, wo sie gebraucht wird: stationsübergreifend, mit offenem Ohr und tiefem Verständnis für Menschen in schweren Stunden. Dabei prägten Neugier und Lernbereitschaft ihren Berufsweg: Sie ist unter anderem Praxisanleiterin, Fachassistentin für Schmerztherapie und war stellvertretende Stationsleitung der Kardiologie. Seit 2012 ist sie Pflegeexpertin für Onkologie und Palliativmedizin und ist zudem als qualifizierte Ethikberaterin (AEM) Vorsitzende des Klinischen Ethikkomitees in den varisano Kliniken des Main-Taunus-Kreises. Besonders am Herzen liegt ihr der Wunsch, im Krankenhaus Bad Soden eine eigene Palliativstation einzurichten.
Ausgleich zu ihrer emotional fordernden Arbeit findet die 57-Jährige in ihrem großen Garten und in der Zeit mit ihrer Familie sowie in regelmäßigen Supervisionen.
„Ich mache meine Arbeit wirklich sehr gerne. In all den Jahren wurde ich immer in meinen Wünschen und meinem Vorhaben unterstützt. Natürlich gibt es nach 27 Jahren gewisse Veränderungen, und ich habe viele schöne Erinnerungen an früher. Aber dieser Teil jetzt, wo ich in der Onkologie und Palliativmedizin arbeite und Patient:innen stationsübergreifend betreue, ist für mich der Schönste, da ich damit den Patient:innen und ihren Angehörigen viel Gutes tun kann. Ich habe einen ganzen Ordner voller Rückmeldungen von Patient:innen und Angehörigen mit persönlichen Worten. Das bestätigt mich darin, genau das Richtige zu machen und genau richtig hier zu sein.“
„Ich werde von Ärzt:innen oder vom Pflegepersonal über mögliche Patient:innen informiert und erhalte die wichtigsten Informationen. Dann nehme ich den Kontakt auf, führe ein Erstgespräch. Je nach Bedarf binde ich Kolleg:innen aus der der Psychoonkologie, Sozial- oder Ernährungsberatung ein. Ich habe zu den Patient:innen meist eine sehr persönliche Beziehung, weshalb mir die meisten auch gut im Gedächtnis bleiben. Manche Patient:innen wünschen keine Unterstützung und das ist völlig in Ordnung. Sie erhalten trotzdem die Möglichkeit, sich jederzeit an uns zu wenden.“
„Es ist ein sehr sensibler Bereich. Bei einer Krebserkrankung zieht es den Betroffenen ja erst einmal den Boden unter den Füßen weg – plötzlich ist nichts mehr, wie es mal war. Deshalb brauchen sie eine erhöhte Aufmerksamkeit, damit man gemeinsam sortieren kann, wie es jetzt weitergeht. Eine multiprofessionelle Zusammenarbeit ist dabei sehr wichtig. Dies ist aber auch eine sehr persönliche und schöne Aufgabe. Die Patient:innen und Angehörige profitieren davon und geben uns meist unmittelbar positive Rückmeldungen. Wir leisten eine wichtige Aufklärungsarbeit, um Betroffenen Sicherheit zu geben.“
„Ethik hat in unseren Krankenhäusern einen hohen Stellenwert. Unser Ethikkomitee besteht überwiegend aus zertifizierten Ethikberater:innen und wir arbeiten nach einem einheitlichen Schema. Wir treffen keine Entscheidungen über Leben und Tod, sondern führen Fallberatungen gemeinsam mit dem Behandlungsteam durch, immer im Sinne der Patient:innen. In Einzelfällen kann eine Fallberatung auch in Anwesenheit der Angehörigen stattfinden. Zum Beispiel lässt bei einer fortgeschrittenen Demenz das Bedürfnis nach Nahrung oft nach. Dann stellt sich bei Angehörigen oft die Frage: Künstliche Ernährung oder nicht. Eine künstliche Ernährung würde zwar das Leben verlängern, aber nicht unbedingt die Lebensqualität verbessern und birgt zudem eigene Risiken. Es kann also ein Dilemma entstehen. Es ist daher immer wichtig, eine gemeinsame Entscheidung zum Wohle der Patient:innen zu treffen.“