Mehr Sicherheit und Erfolg bei der Arzneimitteltherapie: Expertin nimmt Medikamente psychisch erkrankter Menschen unter die Lupe

erschienen am 23.05.2022 | Klinikum Frankfurt Höchst

Das Behandeln von psychischen Erkrankungen (z. B. Depressionen) mit Medikamenten (Psychopharmakotherapie) gilt als eine wichtige Behandlungssäule. Betroffene haben zudem eine Vielzahl somatischer Erkrankungen und bringen so meist eine lange Liste an Medikamenten mit. Genau an dieser Schnittstelle der körperlichen und der psychischen Gesundheit kann es zu Wechselwirkungen kommen: Eine klinische Pharmazeutin kann diese erkennen und helfen, Schwierigkeiten zu vermeiden. Genau diese Aufgabe hat Prof. Dr. Martina Hahn am varisano-Klinikum Frankfurt Höchst übernommen. Sie ergänzt seit April 2022 das Team der Klinik für psychische Gesundheit und verantwortet nun den Fachbereich klinische Pharmazie. Der Schwerpunkt ihres Einsatzes liegt in der Psychiatrischen Institutsambulanz. „Durch direkte Patientenkontakte, Beratung von Ärzt:innen, Pflegekräften sowie Psycholog:innen trägt die klinische Pharmazie dazu bei, die Arzneimittel-Therapiesicherheit für die Patient:innen zu erhöhen - insbesondere durch gezielte Wechselwirkungs-Prüfungen“, erklärt Prof. Hahn. So unterstützt sie Patient:innen bei der Therapietreue im Rahmen der individuell gesteckten Therapieziele. „Wir arbeiten nach dem Prinzip der partizipativen Entscheidungsfindung - shared decision making. Dabei werden diagnostische und therapeutische Aktivitäten mit den psychisch erkrankten Menschen gemeinsam abgestimmt“, so die neue Leiterin des Fachbereichs Klinische Pharmazie.

Dies gelingt in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit, idealerweise in einem Tetralog aus Patient:innen, Ärzt:innen, Pflegekräften und klinischen Pharmazeut:innen. Dieses Konzept der tetralogischen Zusammenarbeit wurde im Jahr 2009 von Frau Prof. Hahn und der Chefärztin der Klinik für psychische Gesundheit Prof. Dr. med. Sibylle C. Roll entwickelt und 2011 unter dem Begriff „Eichberger Modell©” erstmals erfolgreich umgesetzt. Dazu werden in der Psychiatrischen Institutsambulanz Informationsgruppen und Einzelgespräche angeboten. Die Patient:innen sind aktiv an der Auswahl der Arzneimittel beteiligt. Da die Angehörigen als wichtiges Bindeglied bei der Versorgung psychisch erkrankter Menschen gelten, sind diese bei den Beratungsgesprächen herzlich willkommen. „Ich wünsche mir, dass Patient:innen mit Hilfe dieses Angebotes ihre Erkrankungen besser verstehen und erkennen, weshalb es vielleicht sinnvoll ist, auf Medikamente – zumindest zeitweise - zurückzugreifen. Genauso schaue ich danach, dass Medikationslisten nicht zu lang werden. Manchmal ist weniger mehr - vor allem um Nebenwirkungen zu vermeiden“, unterstreicht die Pharmazeutin. Nicht selten treffe sie auf Patient:innen, die täglich 10 bis 15 verschiedene Arzneimittel zu sich nehmen. Im Einzelfall waren es auch schon 20 Präparate. Diese führen wiederum zu 180 möglichen Interaktionen, die den Prozess der psychischen Genesung behindern könnten. Daher spürt sie mögliche Störfelder in der Medikation auf oder prüft, warum ein Mittel ggf. nicht so wirkt wie erwartet. Das neue Angebot ist aktuell beschränkt auf Patient:innen, die wegen einer psychischen Erkrankung ambulant am varisano-Klinikum Frankfurt Höchst behandelt werden.

Prof. Hahn ist klinische Pharmazeutin und Apothekerin. Sie hat Lehraufträge an der Philipps-Universität Marburg, der Goethe-Universität Frankfurt und der University of Florida, USA. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Interaktionen, Therapeutisches Drug Monitoring und Pharmakogenetik sowie somatische Komorbiditäten bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Sie leitet die PSY-KOMO Studie an der Universitätsklinik Frankfurt, an der sich die Klinik für psychische Gesundheit beteiligt. Sie ist Autorin mehrerer Fachbücher und hat bereits mehr als 50 Fachartikel publiziert.

Über die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA)

In der Psychiatrischen Institutsambulanz am varisano-Klinikum Frankfurt Höchst werden Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt, die eine krankenhausnahe Behandlung benötigen oder die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung nicht in einer niedergelassenen Praxis versorgt werden können. Das Team der PIA arbeitet auch aufsuchend. Eine Besonderheit ist dabei die aufsuchende Pflege. In Absprache wird auch die ambulante psychiatrische Behandlung für psychisch erkrankte Menschen in ihren Wohneinrichtungen oder in Pflegeheimen ermöglicht.

Über das Klinikum

Das varisano-Klinikum Frankfurt Höchst ist ein leistungsstarker Maximalversorger im größten kommunalen Klinikverbund der Region, den varisano-Kliniken Frankfurt Main-Taunus GmbH. In den 22 Kliniken, Instituten und Fachabteilungen werden allein am Standort Frankfurt Höchst jährlich mehr als 37.000 stationäre und 100.000 ambulante Patienten versorgt. Über 2.000 Mitarbeiter setzen sich täglich mit modernster Diagnostik und Therapie für die Gesundheit der uns anvertrauten Patienten ein. Fünf Schulen für pflegerische und nichtärztliche medizinische Fachberufe leisten einen wichtigen Beitrag zum Ausbildungsangebot in der Region. Der Neubau des varisano-Klinikums Frankfurt Höchst steht vor der baurechtlichen Abnahme - die Eröffnung erfolgt voraussichtlich im Herbst. Mehr Informationen zu den medizinischen Zentren im Internet unter https://www.varisano.de/klinikum-frankfurt-hoechst.